Warum gibt es ein MINT-Kolleg?

Die MINT-Fächer gelten in der Schule als „schwer“. Auch die Abbrecher-Zahlen in MINT-affinen Studiengängen an deutschen Hochschulen sind beunruhigend hoch. So werden erhebliche Investitionen der finanzierenden Seiten, hauptsächlich der Eltern und der Landesregierung, vernichtet; Erwartungen und Hoffnungen werden frustriert, Motivation und persönliche Dynamik werden beschädigt; wertvollste Lebenszeit geht verloren.

Angesichts dieser alarmierenden Situation kamen das Rektorat der Universität Stuttgart und das Präsidium des KIT überein, im Rahmen des aufwendigen Gemeinschaftsprojektes „MINT-Kolleg Baden-Württemberg“ substantielle Mittel einzusetzen, um den Studienerfolg in den MINT-Fächern signifikant und nachhaltig zu steigernOrientierug, Förderung, Entschleunigung. Mit tatkräftiger Unterstützung des zuständigen Ministeriums (MWFK) wurden diesem neuartigen Instrument komplexe Aufgaben übertragen, die sich unter drei Stichworten zusammenfassen lassen:

• fundierte fachliche Orientierung
• individuelle Entschleunigung des Fachstudiums
• Förderung essentieller Fachkompetenzen und Arbeitsmethoden

Angesichts der negativen demographischen Entwicklung wird sich das bestehende Defizit an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren rapide vergrößern, mit nachteiligen Folgen für unsere Wirtschaft und damit für den Wohlstand in Deutschland.

Es ist also nicht nur erforderlich, die Abbrecher-Quoten zu senken und die Studienverläufe zu optimieren, sondern es muss auch das Interesse bei denjenigen Studienwilligen und Studienfähigen an den MINT-Fächer geweckt werden, die sich sonst für eine andere Laufbahn entscheiden würden. Hierzu bedarf es auch effizienter Förderung.

Es stimmt, dass es in der Geschichte der öffentlichen tertiären (Aus-)Bildung noch nie eine solche Dichte an Beratungseinrichtungen und an Förderinitiativen gegeben hat wie heute. Und dennoch wirken zu viele Studienanfänger unzureichend beraten, sie treffen verhängnisvolle Fehlentscheidungen, zumindest aber gestalten sie ihre akademische Laufbahn suboptimal.

Weiter fällt auf, dass heterogene Schulsysteme und ein flächendeckender Rückgang der Verbindlichkeit von qualifizierten MINT-Leistungen im Sekundarbereich zu fachlichen Lücken führen, die sich nachteilig im Fachstudium auswirken. Hier spielen sicher auch veränderte Lern- und Arbeitsgewohnheiten eine Rolle, ebenso wie die Überbetonung von Kompetenzen und Techniken zu Lasten konkreter Inhalte und des Erkennens thematischer Zusammenhänge.

In dieser unübersichtlichen Situation betritt nun das MINT-Kolleg Baden-Württemberg als neuer Akteur (mit begrenztem Aktionsradius) die bereits übervolle Bühne der MINT-Wizards mit der Behauptung und mit dem Ziel, etwas Wirksames zum erfolgreichen Studieren beitragen zu können, junge Menschen zu befähigen, ihr Studienziel zu erreichen und sich danach in der Berufswelt wohl zu fühlen. Das alles im Bewusstsein, genau den richtigen Weg gewählt und gemeistert zu haben und sich so hoffentlich einen Traum verwirklicht zu haben.

Ich versichere, dass ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen keine Mühe scheuen werde, diesem Ziel möglichst nahe zu kommen. Wir bieten höchste Motivation, höchste Kompetenz und den Willen an, das in uns investierte Geld und Vertrauen wert zu sein.

 

Dr. E. Klenkler, Direktor
28.03.2011